Untergewicht: Ursachen, Risiken und gesund zunehmen
Untergewicht beschreibt ein Körpergewicht, das unter dem gesunden Wert für einen Menschen dieser Körpergröße liegt. Gemessen wird Untergewicht meistens am Body Mass Index (BMI): Bei Erwachsenen spricht man nach WHO bei einem BMI unter 18,5 von Untergewicht (17 bis 18,49: leichtes, 16 bis 16,99: mäßiges, unter 16: starkes Untergewicht). Bei Kindern und Jugendlichen gelten dagegen alters- und geschlechtsspezifische BMI-Perzentilen: Untergewicht liegt unterhalb der 10., starkes Untergewicht unterhalb der 3. Perzentile. Der Zustand lässt sich noch weiter klassifizieren, denn schweres, lebensbedrohliches Untergewicht ist natürlich nicht dasselbe wie ein leichtes Untergewicht, das den Betroffenen persönlich nicht belastet.
Untergewicht und seine Dimensionen
Der BMI kann ein Indiz dafür sein, ob Untergewicht vorliegt, und wird auch heute noch von den meisten Medizinern zurate gezogen, wenn ein Patient untersucht wird. Da der BMI nur von reiner Körpermasse ausgeht, ist er nur ein grober Anhaltspunkt für die Beurteilung des Gewichts eines Menschen, denn ob Fett oder Muskelmasse den Körper ausmachen, fließt in die Berechnung nicht detailliert ein. Allerdings signalisiert ein zu niedriger BMI unabhängig vom Körperfettgehalt und der vorhandenen Muskelmasse fast in jedem Fall treffsicheres Untergewicht, da ein gesunder Mensch eine gewisse Körpersubstanz braucht, um seinen täglichen Energiebedarf zu decken und im Alltag Kraft zu haben. Bei leichtem Untergewicht kann sich der betroffene Patient noch verhältnismäßig wohl fühlen. Mittleres oder schweres Untergewicht dagegen zehrt so sehr an den Ressourcen des Körpers, dass in schlimmen Fällen der Tod durch Organversagen die Folge sein kann.
Wie entsteht Untergewicht?
Untergewicht kann viele Hintergründe haben, die nicht alle krankhaft oder gefährlich sein müssen. Wenn Menschen intensiv Sport treiben, aber nicht entsprechend mehr essen, können sie in den untergewichtigen Bereich rutschen. Ein dauerhafter Energiemangel beim Sport ist nicht harmlos: Er kann unter anderem zu Leistungsabfall, Zyklusstörungen und Knochenschwund führen. Wer viel trainiert, sollte deshalb auf eine ausreichende Energiezufuhr achten. Ernst zu nehmende Ursachen von Untergewicht sind Stress, psychische Belastungen und Essstörungen. Viele Menschen hören aus Stress auf, genug gesunde Lebensmittel zu essen, oder aber sie essen generell zu wenig, da sie schlichtweg keine Zeit oder keinen Appetit haben. Vor allem schlanke Menschen sind davon betroffen und geraten dann besonders leicht ins Untergewicht. Bei einer Essstörung wird die natürliche Nahrungsaufnahme aus psychischen Gründen unterbrochen, je nach Erkrankungsbild verweigern Patienten bewusst die Nahrungsaufnahme bis hin zum Hungertod. Ein rapide aufgetretenes Untergewicht kann auch die Folge einer inneren Erkrankung der Organe sein, die dadurch nicht mehr richtig verdauen können. In jedem Fall sollte plötzlich auftretendes, sich fortsetzendes Untergewicht einem Arzt vorgestellt werden, um eine Ursache abzuklären und gegenwirken zu können.
Was tun bei Untergewicht?
Zunächst ist wichtig, dass der Quell des Untergewichts aufgeklärt wird. Der Hausarzt kann anhand der beschriebenen Symptome und der Entstehung einen ersten Verdacht fällen und dann weitere Untersuchungen in die Wege leiten. Liegen Essstörungen, eine hohe Stressbelastung oder eine innere Erkrankung der Verdauungsorgane vor, so richtet sich die Behandlung gezielt gegen diese. Bei starkem Untergewicht erfolgt der Gewichtsaufbau ärztlich begleitet und schrittweise, zum Beispiel mit energiereicher Trinknahrung, in schweren Fällen auch im Krankenhaus – denn nach längerem Hungern kann eine zu schnelle Nahrungszufuhr gefährlich werden (Refeeding-Syndrom). Bis jedoch das Körpergewicht wieder zunimmt, kann es durchaus eine Weile dauern. Liegen hingegen keine schweren Erkrankungen vor, kommt es vor allem darauf an, regelmäßig und ausreichend zu essen – etwa drei Hauptmahlzeiten und zusätzliche Zwischenmahlzeiten mit energiereichen, gesunden Lebensmitteln wie Nüssen, Vollkornprodukten, Milchprodukten oder Pflanzenölen. Ergänzend kann maßvolles Krafttraining helfen, Muskelmasse aufzubauen; dabei muss mehr Energie aufgenommen als verbraucht werden, damit die Zahl auf der Waage langsam beginnt, zu steigen.
Untergewicht als Wohlfühlgewicht?
Menschen haben alle ein unterschiedliches Wohlfühlgewicht. Dieses ist natürlich wichtiger und maßgeblicher als der BMI – sofern nur leichtes Untergewicht vorliegt. Wenn der Betroffene die Kraft hat, seinen Alltag zu bewältigen, sein Gewicht stabil ist und ärztlich keine Erkrankung festgestellt wurde, dann darf er im leicht untergewichtigen Bereich bleiben und braucht keine Behandlung. Trotzdem wäre es natürlich nicht verkehrt, wenn er gezielt Fitnesssport betreiben und für sich selbst herausfinden würde, ob sich dadurch etwas an seinem allgemeinen Wohlbefinden positiv verändert. Vorsicht ist aber geboten, wenn man sich bereits im Untergewicht befindet und dann immer noch das Ziel hat, weiter abzunehmen. Wer sich trotz Untergewicht als zu dick empfindet, sehr viel an Essen, Kalorien und Gewicht denkt oder Mahlzeiten auslässt, sollte das ernst nehmen: Das können Anzeichen einer Essstörung sein, und weiteres Abnehmen ist dann gefährlich. Frühzeitige Hilfe ist wichtig – erste Ansprechpartner sind die Hausärztin oder der Hausarzt; anonym berät auch das Infotelefon zu Essstörungen des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) unter 0221 892031.
Untergewicht bei Kindern und im Alter
Bei Babys und Kleinkindern sollte ein konstanter Aufbau des Körpergewichts erfolgen. Um diesen feststellen zu können, sind regelmäßige Untersuchungen beim Kinderarzt angesagt, der feststellen kann, ob das Baby oder Kleinkind im richtigen Maße an Körpermasse dazugewinnt. Je älter das Kind wird, desto schleichender darf die Zunahme gehen – doch dann kommt die Teenagerzeit, in der sich Essstörungen besonders gerne herauskristallisieren. Eltern sind nun in der Pflicht, darauf zu achten, ob der Nachwuchs vielleicht einer solchen Störung verfallen ist – dazu können sie sich beim Hausarzt frühzeitig darüber informieren lassen, wie sie eine Essstörung erkennen könnten. Ob bei einem Kind oder Jugendlichen Untergewicht vorliegt, lässt sich nicht mit den BMI-Grenzwerten für Erwachsene beurteilen, sondern nur mit alters- und geschlechtsspezifischen BMI-Perzentilen; das übernimmt am besten die Kinder- und Jugendärztin oder der Kinder- und Jugendarzt, zum Beispiel bei den Vorsorgeuntersuchungen. Warnzeichen für eine Essstörung sind eher Verhaltensänderungen wie häufiges Auslassen von Mahlzeiten, ständiges Kalorienzählen, übermäßiger Sport oder ein deutlicher Gewichtsverlust. Mindestens genauso riskant kann Untergewicht im Alter werden. Während bei einem Kind die Entwicklung stark beeinträchtigt sein kann, kann Untergewicht im Alter eine erhebliche Belastung im Alltag werden und darauf hindeuten, dass ein gesundheitliches Problem vorliegt, das eines Arztes bedarf. Gerade ältere Menschen müssen auf eine gesunde Ernährung achten, denn im Alter braucht der Körper umso mehr leicht verfügbare und gesunde Nährstoffe. Bekommt er diese nicht, drückt er das in Untergewicht aus und signalisiert schneller als bei jüngeren Menschen seinen Bedarf.